Die Chronik von Orathien
Vor dem Turmfall (v.T.)
Das Gebiet des heutigen Orathien war ein ruhiges, wenig beachtetes Land, geprägt von kleinen Städten, fruchtbaren Hügeln und einer tief verwurzelten Religiosität. Die Menschen folgten den Lehren alter Kirchen, die das Licht als Ursprung allen Lebens verehrte. Politisch spielte Orathien keine große Rolle, es war ein Land der Gläubigen, Pilger und Mönche. Die Vernetzung durch die Türme verband Orathien mit der Welt, doch die Bewohner betrachteten sie stets mit Skepsis: zu viel fremder Einfluss, zu viele Stimmen, die die Reinheit des Glaubens verwässerten.
Der Turmfall (0 n.T.)
Als die Türme zusammenbrachen, verkündeten die Priester, dies sei ein göttliches Zeichen. Sie sahen darin den Beweis, dass der Hochmut der Menschheit gestürzt sei, weil sie mehr auf Maschinen und Vernetzung vertraut hatte als auf den Glauben. In den Städten herrschte zunächst Panik, doch die Geistlichen traten auf die Plätze und predigten, dass das Ende des Turmes der Beginn einer neuen Ära sei.
Viele Menschen aus den Nachbarländern flohen in dieser Zeit nach Orathien, in der Hoffnung auf Schutz. Die Priester empfingen sie – jedoch nur, wenn sie den neuen Gelübden folgten. Der Glaube wurde zur Eintrittskarte in die Gemeinschaft.
Erste Jahre nach dem Turmfall (1–20 n.T.)
Die Kirche gewann in kurzer Zeit unermessliche Macht. Aus Predigern wurden Herrscher, aus Klöstern Festungen, aus Kanzeln Tribunale. Wer widersprach, wurde verurteilt, oft auf öffentlichen Plätzen verbrannt oder durch Rituale geopfert.






