Aropea
Niemand weiß mehr genau, wie die Welt vor dem Turmfall war.
Man erzählt sich, es sei eine Zeit des Lichts gewesen, der Verbindung, der Stimmen, des Wissens. Doch was einst klar war, ist verblasst. Erinnerungen sind Legenden geworden, und selbst die ältesten Chroniken widersprechen sich. Manche sagen, die Menschen hätten damals über die Natur selbst geherrscht. Andere glauben, die Türme seien nicht von Menschenhand erbaut worden.
Dann kam der Tag, an dem die Türme fielen.
Acht gewaltige Bauwerke, die Türme der Musen, stürzten gleichzeitig in sich zusammen. Die Erde bebte, das Meer erhob sich, und ein Donner ging über Aropea nieder, der noch Generationen später in den Erzählungen widerhallt. Kein Gelehrter kann sagen, was den Turmfall auslöste. Ein Unfall? Ein Krieg? Oder der Zorn jener Mächte, die die Türme einst errichteten?
Was sicher ist: Mit dem Sturz der Türme endete eine ganze Ära.
Die Welt, wie sie war, brach zusammen. Verbindungen rissen, Wissen ging verloren, und mit der Vernetzung verschwanden auch Ordnung, Kommunikation und Hoffnung. Städte, die einst auf den Fluss der Daten, Nachrichten und Waren gebaut waren, stürzten in Chaos und Hunger. Regionen, die sich selbst versorgen konnten, hielten durch, die übrigen zerfielen.
Heute, fast neun Jahrzehnte später, ist Aropea ein Kontinent der Wunden.
Fünf Reiche haben sich aus den Trümmern erhoben hart, misstrauisch und voneinander abgeschnitten. Jedes hat seine eigene Wahrheit über die Zeit vor dem Turmfall, und jedes glaubt, allein im Recht zu sein.






