Die Chronik von Solendar

Vor dem Turmfall (v.T.)

Vier Korngemeinschaften waren einst die Gemeinschaft in der weiten, fruchtbare Ebene, die als Kornkammer für mehrere Großreiche diente. Endlose Felder von Weizen, Roggen und Hirse wurden bestellt, und durch das Netz der Türme waren die Erträge überall auf dem Kontinent gefragt. Bauernhöfe und kleine Städte lebten vom Export, während das Land selbst nur eine dünne Verwaltung hatte. Die vier kleinen Staaten waren reich an Nahrung, aber arm an Wehrkraft – seine Stärke lag im Überfluss, nicht in der Verteidigung.

Der Turmfall (0 n.T.)

Als der Turm fiel, verloren die Bauern plötzlich ihre Abnehmer. Die Speicherhäuser waren gefüllt, doch niemand kam mehr, um die Ernten zu kaufen oder abzuholen. Zunächst schien es ein Segen: genug Nahrung für alle. Doch bald brach Chaos aus. Ohne zentrale Verwaltung beanspruchten lokale Herren, Milizen und selbst Banden von Landarbeitern die Vorräte. Ganze Dörfer plünderten einander, und die Felder lagen brach, weil niemand mehr die Ordnung sichern konnte. Hunger breitete sich paradoxerweise in einem Land der Fülle aus – nicht, weil es an Nahrung fehlte, sondern weil kein gerechter Zugang mehr möglich war.

Erste Jahre nach dem Turmfall (1–20 n.T.)

Die ersten Jahrzehnte waren geprägt von Bauernaufständen und Plünderungszügen. Solendar verwandelte sich in ein Flickwerk kleiner Herrschaften, jede mit einer Kornspeicherburg als Zentrum. Wer Getreide kontrollierte, herrschte über Leben und Tod.

Aus dieser Zeit ragt die Figur von Taren vom Ährenfeld hervor, einem Bauernführer, der ganze Regionen mit der Parole „Brot gegen Blut“ vereinte. Er versprach Nahrung im Austausch für Gehorsam und baute ein Heer aus Bauern und ehemaligen Milizionären auf. Sein Vermächtnis ist noch heute in Sprichwörtern lebendig.

Konsolidierung (20–50 n.T.)

Die Nachfolger Tarens formten Solendar zu einem Staat, der nicht durch Könige oder Händler regiert wird, sondern durch eine strenge Ordnung der Vorratsverteilung. Kornkammern, von Mauern und Wachtürmen umgeben, bilden das Herz des Landes. Jeder Haushalt liefert einen Teil seiner Ernte an den Staat, der im Gegenzug Schutz und Verteilung garantiert.

Doch dieses System machte Solendar zu einem Reich der strikten Pflicht. Wer nicht liefert, wird enteignet oder hingerichtet. Bauern sind zugleich Soldaten, die Felder zugleich Übungsplätze. Aus einer Kornkammer wurde eine Armee, die das Überleben über alles stellt.

Gegenwart (87 n.T.)

Heute ist Solendar ein Staat, der von außen oft als gnadenlos beschrieben wird. Seine Bevölkerung arbeitet in endlosen Zyklen: säen, kämpfen, ernten, kämpfen. Der Rat der Speichermeister, eine Versammlung der mächtigsten Kornkammerherren, lenkt die Politik.

Die Gesellschaft ist streng eingeteilt. Bauernfamilien müssen nicht nur Felder bestellen, sondern auch Kämpfer stellen. Jeder zweite Solendari ist zugleich Soldat. Nahrung ist immer noch die wichtigste Währung, und Solendar tauscht Getreide gegen Waffen, Erz oder Dienste.

Militärisch ist Solendar gewaltig: große, disziplinierte Heere, die in Reih und Glied marschieren wie Ähren im Wind. Doch das Land ist innerlich erschöpft. Die Bevölkerung ist es leid, ständig Blut für Brot zu opfern. Aufstände glimmen, doch sie werden immer wieder niedergetreten.

Solendar ist ein Kind des Turmfalls, das seine Identität aus den Feldern gewann. Ein Reich, das gelernt hat, Nahrung als Machtmittel zu nutzen – und das bereit ist, Menschen ebenso wie Getreide zu verheizen, um zu bestehen.

Karganth

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Velmora

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Dravien

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Solendar

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Orathien

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